Am verlängerten Himmelfahrts-Wocheneden fand unterhalb der Ruine Hornstein
bei Sigmaringen das 1. Europäische Landsknecht-Hurra statt.
Rund 700 Landsknechte, Marketenderinnen, Handwerker und Händler hatten sich
eingefunden um einmal ganz ohne Zuschauer ein
Landknechtlager aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachzustellen.
Während die "Waffenträger" in 3 große Fähnlein mit Spießern, Hellebardieren
und Schützen eingeteilt wurden und zunächst ihre Waffenübungen
verrichteten, versorgte sich der Tross auf der Burgruine mit allem
Lebensnotwendigen. Mit Ochsenkarren und Handwagen zogen die
Marketenderinnen bewacht von einigen Bewaffneten den beschwerlichen Weg auf den
Berg hinauf, wobei unterwegs Überraschungen wie Überfälle
marodierender Landsknechte auf sie warteten. Mit allen Waffen allen zur
Verfügung stehenden Waffen, wie Kochlöffeln und Ähnlichem wurde der
Angriff jedoch zurückgeschlagen.
Währendessen durften die übrigen Landsknechte nach einem verregneten Donnerstag
ab Freitag morgen auf dem ca. 1,5 km entfernten Schlachtfeld
in voller Rüstung schwitzend typische Gefechtssituationen üben. Dabei prallten
die
einzelnen Fähnlein unter ständigem Beschuss der Artillerie heftig
aufeinander. Die von den Feldschern zu versorgenden Verwundungen waren
allerdings
nur geschminkt.
Die Abende an den Lagerfeuern des weit über 100 Zelte umfassenden Heerlagers
wurden
dann zum gemütlichen Beisammensein und der Kontaktpflege zwischen den
spätmittelalterlichen
Gruppen aus ganz Europa und der USA genutzt.
Für den sonntäglichen Abschluss hatten die Organisatoren als Höhepunkt die
Erstürmung
der Burgruine geplant. Während sich eines der Fähnlein dort verschanzt hatte,
nahmen die
beiden anderen den engen Aufstieg zur Burg unter dem Beschuss von Bogenschützen
und
Hakenbüchsen in Angriff. Nachdem das mehrmalige Anrennen auf das untere Burgtor
erfolglos blieb
gelang es, die Verteidiger mit einer List zu überraschen.
Eines der Fähnlein sorgte weiter für Beschäftigung, während das andere die Burg
umging und einen
erfolgreichen Angriff auf das obere Tor startete. Als beide Angreifergruppen im
Burghof standen
verschanzte sich das Verteidigungsfähnlein im Turm, der auch nach langen
verlustreichen Kämpfen
nicht erobert werden konnte. Schließlich verkündete der Schiedsrichter ein
Unentschieden und befahl die ermatteten Kämpfer zum Bierfassen.
Rund 20 "Schneeballen" waren an dieser bisher in Europa einmaligen
Darstellung des Landsknechtlebens beteiligt. Für alle, die dabei waren, war es
ein
unvergleichliches Erlebnis. Zumindest für 4 Tage konnte man einen kleinen
Eindruck von den Strapazen des Landsknechtlebens zu bekommen, auch wenn
auf die eine oder andere moderne Annehmlichkeit wie Frühstückskaffee, fließendes
(kaltes) Wasser und Dixie-Toiletten nicht verzichtet wurde.
Alle Beteiligten hoffen, dass die Idee eines derartigen Treffens in den
nächsten Jahren eine Fortsetzung finden wird und irgendwo in Europa eine Gruppe
bereit ist,
den diesjährigen Organisatoren vom Bund Oberschwäbischer Landsknechte
nachzueifern.
Erste Bilder der Fotografen Thomas Rebel, Christian Riese und Eberhard Räder
sind unter diesen Links zu finden.
Eberhard Räder und Christian Riese: www.ermt.de,
Thomas Rebel: www.rebel-shotz.de