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Hier finden Sie Bilder von der Premiere
und hier einen Auszug aus dem Programmheft
 

August von Kotzebues Lustspiel "Die deutschen Kleinstädter"

Von Holger Dauer

Kotzebues Lustspiel "Die deutschen Kleinstädter" aus dem Jahr 1803 zählt zu den erfolgreichsten und
langlebigsten Stücke des 19. Jahrhunderts. Direktes Vorbild war die ein Jahr zuvor in Paris zur Urauf-
führung gelangte, von Kotzebue übersetzte ("Die französischen Kleinstädter") Komödie "La petite ville"
des französischen Theaterdichters Louis Benoît Picard (1769 - 1828), eines Autors, den auch Schiller
sehr schätzte. Der europaweit bekannte Dramenautor löste heftigste Reaktionen aus.
Während Karl August Böttiger, Direktor des Weimarer Gymnasiums und persönlicher Freund Kotzebues,
das "mit der reichsten Ader des Witzes und mit ächt Molierischen Zügen und Situazionen ausgestattete
Stück" lobte, wertete August Wilhelm Schlegel die "Deutschen Kleinstädter" als "Posse, wo mit vieler
Plattheit einige lustige Situazionen erkauft werden"; ironisch dankt er dem Autor "für den guten Willen [,]
Holbergisch seyn zu wollen", um ihm zugleich dessen "Gründlichkeit der Komposizion" eindeutig abzusprechen.
Handlung und Anlage des Stückes weisen all jene Merkmale auf, die den Publikumserfolg so vieler Popular-
stücke nicht nur von Kotzebue sicherten: eine geschickte, wenn auch zu offensichtlich konstruierte
Handlungsführung, ein durch vielerlei Turbulenzen in Gang gesetzter Verwicklungs- und Verwechslungs-
mechanismus, der zu einer zeitweiligen Störung einer festgefügten Ordnung, schließlich jedoch zu deren
Rekonstituierung führt, geschickt gestaltete Parallel- und Nebenhandlungen, zwar "krude Inkohärenzen
in der Motivierung der Handlungsteile", die den Eindruck nahezu perfekter Beherrschung aller bühnen-
wirksamen Mittel jedoch keineswegs verwischen können.

Inhalt
Sabine, die schöne und liebenswert-natürliche Tochter des Krähwinkler Bürgermeisters Nikolaus Staar,
ist nach längerem Aufenthalt in der nahegelegenen Residenzstadt wieder in ihre kleinstädtische, von
ächerlichem Machtdünkel und bornierter Bürokratenherrschaft geprägte Heimat zurückgekehrt.
Die Anfangsszenen zeigen sie in ungeduldig-freudiger Erwartung einer Nachricht ihres geliebten Olmers,
jenes jungen Mannes, den sie in der Stadt kennengelernt und der ihr versprochen hat, ihr in ihren Heimatort
zu folgen, um dort um ihre Hand anzuhalten. Ein kleines Porträt Olmers, das sie stets mit sich führt, gerät
versehentlich in die Hände ihrer Großmutter, der Frau Untersteuereinnehmerin Staar; um eine frühzeitige
Entdeckung ihrer Liebschaft zu Olmers zu vermeiden, wird sie von Sabine im Glauben gelassen, es handele
sich um das Abbild des Königs. Wenige Augenblicke später wird der kleine Marktflecken von der Nachricht
aufgeschreckt, auf der Landstraße sei eine Kutsche verunglückt, der einzige Reisegast werde mit schweren
Verletzungen in den Ort gebracht. Aufgrund eines sich rasch verbreitenden Gerüchts geht man bei den
Honoratioren Krähwinkels davon aus, es müsse sich um eine hochgestellte, vom Minister autorisierte
Persönlichkeit handeln, die das Unglück ereilte. In hektischer Eilfertigkeit wird ein festlicher Empfang
vorbereitet, zu dem die maßgebende Gesellschaft hinzugebeten wird: die beiden Muhmen Brendel und
Morgenrot, Frau Staar, der Vizekirchenvorsteher Staar, Bruder des Bürgermeisters, sowie der Bau-,
Berg- und Weginspektorssubstitut Sperling, ein trocken-humorloser, naiv-lebensferner Bürokrat, der sich
der Dichtkunst verschrieben hat und der Sabine als Gatte zugedacht ist. Der Fremde, der sich wider
Erwarten bester Gesundheit erfreut, entpuppt sich als der von Sabine sehnsüchtig herbeigewünschte
Olmers, der freilich von der Großmutter, die sich des Bildnisses erinnert, als König identifiziert wird, der wohl,
so ihre Vermutung, inkognito im Lande unterwegs sei.

    

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