"Die Mausefalle" von Agatha Christie

Ein großartiger Erfolg für unser Amateurtheaterspieler.

 

 

Badische Neueste Nachrichten | Brettener Nachrichten | BRETTEN | berichteten am  17.11.2014


Trocken im Humor, schwarz im Abgang

Fünf Schneeballen feiern Premiere der Mausefalle

Der Mörder ist immer der Butler – aber Moment! Den gibt es ja gar nicht. Dann vielleicht der steife Major? Die italienische Diva, die im Ein-Finger-System auf dem Klavier herumklimpert? Oder doch die junge Pensions-Besitzerin, die ihren Gästen Konservenfutter serviert?

Die Amateurtheatergruppe „Fünf Schneeballen“ entführt ihre Zuschauer ins eingeschneite Monkswell Manor – besser gesagt befinden wir uns in der Eugen-Gültlinger-Halle in Oberderdingen. Es ist Samstagabend: Premiere der mittlerweile 51. Inszenierung der historischen Gruppe aus Flehingen. Auf dem Programm: „Die Mausefalle“ von Agatha Christie.

„Solche Stücke haben wir uns mittlerweile zum Leitfaden gemacht: Bekannte Autoren, von deren Werken man gehört hat“, so das Geheimrezept der Regisseurin Sabine Obhof.

Uraufgeführt vor 60 Jahren im Londoner West End, hält Christies Meisterwerk mittlerweile den Guinness-Rekord für das längste laufende Theaterstück der Welt. Ein Dauerbrenner, den es übrigens nur gibt, weil sich Queen Mary zu ihrem 80. Geburtstag ein Hörstück von Christie gewünscht hatte.

Britischer geht es also kaum: „Die Mausefalle“ ist ein spritziges Kammerstück – trocken im Humor, schwarz im Abgang: Acht Charaktere, abgeschottet in einem Landhaus. Unter ihnen ein Mörder. Sobald sich der Ermittler auf Skiern durch den Schnee gekämpft hat, ist die Jagdsaison eröffnet. Die Paranoia steigt – ein Tête-à-Tête wird zum lebensgefährlichen Unterfangen. „Wir haben absichtlich den Kontakt zum Publikum vermieden. Das verstärkt die beklemmende Atmosphäre“, erklärt Obhof. Glaubwürdigkeit sei dabei das Wichtigste. Und die kauft man der bunten Gruppe (Altersspanne 27 bis 58) auch ab. Ein turbulentes Jahr liegt hinter ihnen: Im Frühjahr auf Schnäppchenjagd im Kostümfundus anderer Theater, im Juli auf Probenwochenende bei Regisseur Thomas Schiffmacher und im Sommer im Lanzknecht-Gewand auf diversen Mittelaltermärkten.

Noch turbulenter ging es am Vorabend zu: Unter den Hämmern fleißiger Helfershände erwachte bis Mitternacht das Bühnenbild zum Leben. Erst am Morgen vor der Premiere konnte die Generalprobe bestritten werden. „Bei solchen Textfüllen geht das schon auf’s Mark!“, meint Regisseurin Obhof erschöpft aber sichtlich zufrieden.

Glücklich ist auch Detective Sergeant Trotter alias Martin Waldhauer. Für seine 30-jährige Theaterarbeit wurde ihm vom Amateurtheaterverband Baden-Württemberg die Goldene Ehrennadel verliehen. Alle anderen bekamen bei der anschließenden internen Oskar-Verleihung noch etwas vom Preisregen ab. Mal wieder muss Obhof feststellen: „Das Schönste ist einfach der Gruppenzusammenhalt. Miterleben, wie Darsteller durch ihre Rollen über sich hinauswachsen.“

Philipp Neuweiler

Und das waren die Mitwirkenden - mehr Fotos gibt es unter der Rubrik:Theater, Galerie